Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Dieses Papier schlägt eine Verfeinerung des traditionellen Proof-of-Work (PoW)-Schemas vor, bei dem typischerweise ein Nonce gefunden werden muss, das zu einer kryptografischen Hash-Ausgabe mit einer bestimmten Anzahl führender Nullen führt. Die Kerninnovation ist ein kooperatives Proof-of-Work-Schema, das darauf ausgelegt ist, mehreren autonomen Nutzern die Zusammenarbeit bei der Erzeugung des Proof-of-Work für ihre eigenen Transaktionen zu ermöglichen. Diese Zusammenarbeit zielt darauf ab, Konsens über die Reihenfolge von Transaktionen innerhalb eines verteilten Ledger-Systems herzustellen.
Die primäre Motivation ist, sich vom wettbewerbsorientierten, gebührenbasierten Mining-Modell (bei dem Miner um die Lösung von Rätseln konkurrieren und Gebühren einstreichen) hin zu einem kooperativen, steuerbasierten Modell (bei dem Nutzer zusammenarbeiten und eine Steuer zahlen) zu bewegen. Die Autoren argumentieren, dass dieser Wechsel mehrere Probleme mildern könnte:
- Reduzierter Energieverbrauch: Durch den Ersatz erbitterten Wettbewerbs durch sparsame Kooperation könnte der gesamte Rechenaufwand (und damit der Energieverbrauch) erheblich gesenkt werden.
- Erhöhter Durchsatz & Fairness: Geringerer Wettbewerb unter Minern könnte zu schnellerer Transaktionsverarbeitung und weniger Potenzial für Diskriminierung bestimmter Nutzergruppen führen.
- Verbesserte Sicherheit: Denial-of-Service (DoS)-Angriffe werden für den Angreifer aufgrund der inhärenten Transaktionssteuer kostspieliger.
Das Schema wird als native Lösung für Kooperation positioniert, im Gegensatz zu bestehenden externen Mechanismen wie Mining-Pools, die unter Problemen der Fehlausrichtung von Anreizen leiden können.
2. Konsens
Dieser Abschnitt stellt das grundlegende Problem dar: das Erreichen von verteiltem Konsens in einem Peer-to-Peer-Netzwerk ohne zentrale Autorität. Peers kommunizieren über ein Gossip-Protokoll und müssen ein gemeinsames, vereinbartes Transaktions-Ledger aufrechterhalten.
Die Kernherausforderung ist die Nachrichtenausbreitungsverzögerung. In einer idealen Umgebung mit niedriger Transaktionsfrequenz könnte Konsens erreicht werden, indem eine anhaltende Pause im Netzwerkverkehr beobachtet wird – ein „vollständiger Stopp“ – was darauf hindeutet, dass alle Peers wahrscheinlich denselben Satz von Nachrichten gesehen haben. Diese Nachrichten könnten dann kanonisch geordnet (z.B. nach Hash) und dem Ledger hinzugefügt werden.
Allerdings sind reale Transaktionsfrequenzen für dieses einfache Schema zu hoch. Hier kommt Proof-of-Work als Frequenzbegrenzer ins Spiel. Indem für jede Transaktion (oder jeden Transaktionsblock) die Lösung eines rechenintensiven Rätsels verlangt wird, senkt PoW künstlich die Rate, mit der neue Konsensereignisse vorgeschlagen werden können. Die Schwierigkeit des Rätsels kann kalibriert werden, um die notwendige niedrige Frequenz für den „pausenbasierenden“ Konsensmechanismus zu erreichen, damit er im gesamten Netzwerk effektiv funktioniert.
3. Kooperativer Proof of Work
Das Papier formalisiert das vorgeschlagene kooperative Schema. Während die vollständigen mathematischen Details für den nächsten Abschnitt vorgesehen sind, ist der konzeptionelle Wechsel klar. Anstatt dass einzelne Miner um die Lösung eines Rätsels für eine Blockbelohnung wetteifern, arbeiten Nutzer, die einen Transaktionssatz bilden, zusammen, um einen einzigen Proof-of-Work für diesen Satz zu erzeugen.
Der Mechanismus muss sicherstellen, dass:
- Die Kooperation überprüfbar und sicher ist.
- Die kollektive Arbeit das Schwierigkeitsziel des Netzwerks erfüllt.
- Der resultierende Konsens über die Transaktionsreihenfolge verbindlich und manipulationssicher ist.
Die vorgeschlagene „Transaktionssteuer“ ersetzt die „Transaktionsgebühr“. Diese Steuer wird von den Nutzern gezahlt, die an der kooperativen Mining-Runde teilnehmen, und internalisiert so die Kosten der Konsensbildung innerhalb der Nutzergruppe, anstatt sie an eine separate Miner-Klasse auszulagern.
4. Kernidee & Analyse
Kernidee: Kuijpers Papier ist nicht nur eine Anpassung an PoW; es ist eine grundlegende Neuarchitektur von Blockchain-Anreizstrukturen. Der eigentliche Durchbruch ist die Erkenntnis, dass der primäre Wert von PoW im Konsens nicht nur „Arbeit“ ist, sondern Arbeit als frequenzbegrenzendes Mittel. Das kooperative Modell dreht den Spieß um, indem es diese Frequenzbegrenzung zu einem kollaborativen, nutzergetriebenen Prozess macht, anstatt zu einem wettbewerbsorientierten, minergetriebenen. Dies greift direkt die Ursache von Bitcoins Energiedilemma an – nicht das Hashing selbst, sondern das ökonomische Wettrennen, das immer mehr Hashing erfordert.
Logischer Ablauf: Das Argument verläuft in eleganter Logik: 1) Konsens erfordert niedrige Ereignisfrequenz, 2) PoW erzwingt niedrige Frequenz durch Kosten, 3) Daher kontrolliert die Instanz, die die Kosten trägt, den Konsensrhythmus. Traditionelles PoW lässt Miner diesen Rhythmus zum Profit kontrollieren. Kuijpers Schema gibt die Kontrolle an die Nutzer zurück, indem es sie die Kosten (Steuer) direkt für ihre eigenen Transaktionen tragen lässt. Der Fluss von der technischen Einschränkung (Ausbreitungsverzögerung) zur ökonomischen Lösung (kooperative Kostentragung) ist überzeugend.
Stärken & Schwächen: Die Stärke ist die elegante Ausrichtung der Anreize. Indem die Konsenskosten direkt an die Transaktionsinitiatoren gebunden werden, beseitigt es den Miner-extractable Value (MEV) und die Pool-Zentralisierungsprobleme, die Systeme wie Ethereum vor dem Merge plagen. Die offensichtliche Schwäche ist jedoch das „Bootstrapping-Problem“ – wie initiiert man Kooperation in einer vertrauenslosen Umgebung? Das Papier geht über dieses kritische Koordinationsproblem hinweg. Wie in spieltheoretischen Analysen von Blockchain (z.B. Arbeiten von arXiv zu Konsensdynamiken) zu sehen ist, ist das Erreichen spontaner, stabiler Kooperation unter rationalen, anonymen Akteuren ohne bereits bestehende soziale oder algorithmische Gerüste notorisch schwierig. Das Schema scheint auch eine Homogenität der Nutzer-Hashing-Leistung anzunehmen, die nicht existiert, was potenziell zu neuen Formen der Zentralisierung führt, bei denen Nutzer mit hoher Leistung kooperative Gruppen dominieren.
Umsetzbare Erkenntnisse: Für Protokolldesigner ist die wichtigste Erkenntnis, Hybridmodelle zu erforschen. Wettbewerbsorientierten PoW nicht vollständig verwerfen; ihn als Fallback-Ebene oder für Checkpoints nutzen, während kooperativer PoW für hochfrequente, niedrigwertige Transaktionsbatches ermöglicht wird. Implementieren Sie einen Staking-Mechanismus neben der kooperativen Arbeit, um das Bootstrapping-Problem zu lösen – Nutzer müssen Token einsetzen, um an einer kooperativen Runde teilzunehmen, was böswillige Akteure bestraft. Dies kombiniert die Sicherheit von Proof-of-Stake (PoS) mit der Frequenzbegrenzung von PoW. Darüber hinaus sollte das Konzept einer „Transaktionssteuer“ rigoros anhand realer Zahlungssystemdaten modelliert werden, um einen optimalen Satz zu finden, der Spam abschreckt, ohne die Nutzbarkeit zu behindern.
5. Technische Details & Mathematische Formalisierung
Das kooperative Proof-of-Work-Schema kann wie folgt formalisiert werden:
Sei $T = \{tx_1, tx_2, ..., tx_n\}$ eine Menge von Transaktionen, die von einer Gruppe von Nutzern $U = \{u_1, u_2, ..., u_m\}$ vorgeschlagen wird.
Sei $H(\cdot)$ eine kryptografische Hash-Funktion (z.B. SHA-256). Der traditionelle PoW erfordert das Finden eines Nonce $N$, sodass für einen Block $B$ gilt: $H(B || N) < D$, wobei $D$ das Schwierigkeitsziel ist.
Im kooperativen Modell ist der „Block“ der vereinbarte Transaktionssatz $T$. Das Rätsel wird kollektiv gelöst. Jeder Nutzer $u_i$ trägt eine Teillösung (einen „Share“) $s_i$ bei. Der kollektive Proof-of-Work $P$ ist eine Funktion aller Shares und des Transaktionssatzes:
$P = F(T, s_1, s_2, ..., s_m)$
Die Bedingung für einen gültigen kooperativen Proof wird zu:
$H(P) < D$
Die Funktion $F$ muss so konstruiert sein, dass:
- Sie einen signifikanten kombinierten Rechenaufwand von der Mehrheit von $U$ erfordert, um Eingaben $s_i$ zu finden, die $H(P) < D$ ergeben.
- Sie die Überprüfung ermöglicht, dass alle $u_i \in U$ zu $P$ beigetragen haben.
- Sie verhindert, dass ein einzelner Nutzer oder eine kleine Teilmenge die Lösung dominiert oder die Teilnahme anderer fälscht.
Eine mögliche Konstruktion für $F$ könnte iterative, multisignaturähnliche Schemata oder verifizierbare Verzögerungsfunktionen (VDFs) in Kombination mit Hash-Commitments umfassen, um sicherzustellen, dass die Arbeit sequentiell ist und von verschiedenen Parteien geleistet werden muss.
6. Analyse-Rahmen & Beispielszenario
Rahmen: Bewertung von Konsensmechanismus-Verschiebungen
Wir können diesen Vorschlag anhand eines Rahmens analysieren, der Schlüsseldimensionen vergleicht:
| Dimension | Traditioneller PoW (z.B. Bitcoin) | Kooperativer PoW (Kuijper) |
|---|---|---|
| Primärer Akteur | Miner (spezialisiert) | Nutzer (allgemein) |
| Anreiz | Blockbelohnung + Transaktionsgebühren | Vermeidung der Transaktionssteuer + Systemnutzen |
| Verbrauchte Ressource | Wettbewerbsorientiertes Hashing (hohe Energie) | Kooperatives, minimal ausreichendes Hashing |
| Koordinationsmechanismus | Extern (Mining-Pools) | Intern im Protokoll |
| Kontrolle des Konsensrhythmus | Miner | Aktive Nutzerkohorte |
Beispielszenario: Mikrotransaktions-Batch
Stellen Sie sich vor, 1000 Nutzer möchten kleine, häufige Zahlungen tätigen (z.B. innerhalb eines IoT-Datenmarktes).
- Traditioneller PoW: Jede Transaktion wartet darauf, dass ein Miner sie in einen Block aufnimmt, wobei sie mit anderen um Gebührenpriorität konkurriert. Hohe Latenz, hohe effektive Kosten.
- Kooperativer PoW: Diese 1000 Nutzer bilden eine temporäre Gruppe. Sie arbeiten kollektiv an einem einzigen PoW für einen Block, der alle ihre Transaktionen enthält. Die Arbeit ist verteilt, sodass die individuellen Kosten niedrig sind. Sobald der PoW gelöst ist, wird der Block verbreitet. Die gezahlte „Steuer“ wird unter ihnen aufgeteilt, wahrscheinlich niedriger als individuelle Gebühren. Der Konsens über die Reihenfolge ihres Batches wird direkt erreicht.
Dieses Szenario unterstreicht das Potenzial für einen Durchsatzanstieg in bestimmten hochvolumigen, niedrigwertigen Szenarien.
7. Anwendungsausblick & Zukünftige Richtungen
Anwendungsausblick:
- Erlaubnispflichtige Konsortium-Blockchains: Ideale Umgebung, in der Teilnehmer bekannt sind und eine bestehende Beziehung haben, was das Bootstrapping-Problem löst. Nützlich für Supply-Chain- oder Interbanken-Ledger.
- Layer-2-Skalierungslösungen: Das kooperative Schema könnte verwendet werden, um Konsens innerhalb eines State-Channel- oder Sidechain-Teilnehmersatzes zu erreichen, mit periodischer Abrechnung zu einer Hauptkette.
- Dezentrale Daten-Oracles: Gruppen von Oracle-Knoten könnten kooperativen PoW nutzen, um Konsens über den Wert eines Datenpunkts zu erzielen, bevor er on-chain übermittelt wird, und so Kosten für falsche Meldungen hinzuzufügen.
Zukünftige Forschungsrichtungen:
- Formale Sicherheitsbeweise: Das Schema erfordert eine rigorose kryptografische Analyse, um seine Sicherheit gegen Sybil-Angriffe, Kollusion und andere Bedrohungsmodelle unter realistischen Netzwerkbedingungen zu beweisen.
- Mechanismusdesign für Gruppenbildung: Wie werden kooperative Gruppen dynamisch gebildet? Forschung ist notwendig zu algorithmischer Gruppenzuordnung, möglicherweise unter Verwendung von Ideen aus der Matching-Theorie oder stochastischen Prozessen.
- Integration mit anderen Konsensmodellen: Erforschung von Hybriden mit Proof-of-Stake (PoS) oder Proof-of-Authority (PoA) für die Gruppenauswahl oder Finalitätsebene.
- Quantifizierung der Energieauswirkungen: Aufbau detaillierter Simulationsmodelle, um die potenziellen Energieeinsparungen im Vergleich zu traditionellem PoW unter verschiedenen Adoptions- und Transaktionslastszenarien zu quantifizieren.
8. Referenzen
- Nakamoto, S. (2008). Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System.
- Demers, A., et al. (1987). Epidemic Algorithms for Replicated Database Maintenance. Proceedings of the Sixth Annual ACM Symposium on Principles of Distributed Computing.
- Eyal, I., & Sirer, E. G. (2014). Majority is not Enough: Bitcoin Mining is Vulnerable. International Conference on Financial Cryptography and Data Security.
- Back, A. (2002). Hashcash - A Denial of Service Counter-Measure.
- Buterin, V., et al. (2014). A Next-Generation Smart Contract and Decentralized Application Platform. Ethereum White Paper.
- King, S., & Nadal, S. (2012). PPCoin: Peer-to-Peer Crypto-Currency with Proof-of-Stake.
- Zhu, J., et al. (2017). Unpaired Image-to-Image Translation using Cycle-Consistent Adversarial Networks. Proceedings of the IEEE International Conference on Computer Vision (ICCV). (CycleGAN-Referenz für Analyse von Adversarial-/Koordinationsstrukturen)